Erinnerung an Wolfgang Gentner

29. Januar 2014 | Von | Kategorie: Allgemein

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foto1Nach kurzer, schmerzhafter Krankheit ist mein Vater Wolfgang Gentner im Januar 2014 verstorben. Er war auch Sportler, daher passt er in das Blog. Aber in erster Linie möchte ich hier unsere gesammelten Erinnerungen festhalten:

Wolfgang Gentner war durch und durch ein Schwabe. Er war pünktlich, ordentlich, sparsam, robust, interessiert, neugierig, erfinderisch und stur. Dass das nicht nur bloß dahingesagte Adjektive sind, das zeigen die kurzen Anekdoten, die jetzt folgen:

Pünktlichkeit

Offensichtlich war Wolfgang Gentner der erste, der hier in der Aussegnungshalle war. Aber auch wenn er noch leben würde, wäre er der erste gewesen. Zu spät kommen, das war für ihn ein Graus. Und das wirkte sich so aus, dass er und seine Familie teilweise Stunden vorher an einem Ort waren, bevor die Veranstaltung begann: Sei es beim Konzert, am Flughafen, Bahnhof oder irgendwelchen Feiern. Das Resultat: Seine Begleiter waren immer total genervt, er aber glücklich, weil er nicht zu spät war. Immerhin bekam er dadurch immer einen Sitzplatz.

Ordentlich

In der Kletterhalle 2010 - das erste Mal Klettern mit 73 Jahren.

In der Kletterhalle 2010 – das erste Mal Klettern mit 73 Jahren.

Bekanntlich ist Ordnung ja das halbe Leben. Und so hatte jeder Besitz von Wolfgang Gentner seinen rechten Platz. Und auch Schrauben hatten das Recht auf einen festen Platz. So haben seine Kinder Stunden damit verbracht, Berge voller Schrauben zu sortieren – die dann letztendlich wieder in eine gemeinsame große Kiste kamen.

Handwerker

Wie ihr vermutlich alle wisst, war er gelernter Elektriker und ein leidenschaftlicher Handwerker. Alles was motorisiert werden konnte, wurde motorisiert: Das Laufband, das man eigentlich mit den eigenen Füßen antreiben sollte, hat er mit einem kleinen Motor ergänzt. So konnte man mit der Schnelligkeit von 4km/h joggen. Da das Laufband mit dem Motor jedoch einen leichten Rechtsdrall hatte, mussten die Jogger mit dem Oberkörper leicht nach links ziehen, damit das Band schön abrollte.

Rollladenmotor

Auch die Rollläden im Wohnzimmer haben einen Motor bekommen und rattern in langsamem Tempo an den Fenstern hoch und runter – mehr als doppelt so langsam, als wenn man sie per Hand bedient. Aber das war ihm egal, dafür war er viel zu stolz über seinen Einsatz.

Roller

2010_2Wer ihn schon einmal mit dem Roller fahren gesehen hat weiß, dass er auch diesen mit handwerklichem Geschick gepimpt hat: Seinen Anhänger hat er dabei nur mit einem Flacheisen vor dem Endkuppeln gesichert. Gut, dass der TÜV sich das nicht genauer angeschaut hat.

Hometrainer

Auch der Hometrainer im Wohnzimmer wurde funktional aufgepeppt: Er hat eine Art Notenständer an das Fahrrad montiert, um dort die Zeitung zu platzieren oder die Fernbedienung. Den Home Trainer hat er häufig genutzt – denn er war Diabetiker und musste gute Zuckerwerte haben. Da er trotzdem nicht auf Schokolade verzichten wollte, hat er nach seinem Süßigkeitenkonsum den Zuckerwert gemessen – war er zu hoch, hat er eine Runde gestrampelt, bis die Zuckerwerte passabel waren und hat diese dann eingetragen. Laut seinem Diabetikertagebuch, hatte er also hervorragende Werte, worauf er auch sehr stolz war. Er erzählte immer, dass er als Musterpatient gelobt wurde.

 

Kommunikation und Anweisungen

papiManchmal hat Wolfgang auch Hilfe bei Reparaturen gebraucht. So sollte seine Tochter mit der Taschenlampe leuchten, während er eine Lampe ausgetauscht hat. Er sagte dann: mach mal an – sie folgte, knipste den Schalter an und er purzelte fast von der Leiter, weil er einen Stromschlag abbekam. Er hatte die Taschenlampe gemeint, aber für das zehnjährige Kind war die Anweisung „Anknipsen“ eben der Lichtschalter. Dass er vorher die Sicherung hätte rausdrehen können, das hatte er offensichtlich vergessen. Zum Glück ist er uns danach trotzdem noch viele Jahre erhalten geblieben und ist alt geworden…wobei ALT, das ist er ja nie geworden.

 

Ca. 1982: Meine Halbschwester Danielel und ich (links oben und unten); mein Vater mit modischem Schnurrbart.

Ca. 1982: Meine Halbschwester Danielle und ich (links oben und unten); mein Vater mit modischem Schnurrbart.

Modisch

So vor zehn Jahren wurde sein linkes Ohr etwas schlechter und wir mussten immer lauter sprechen. Auf den Hinweis, dass ein Hörgerät sinnvoll sein könnte, erwiderte er: Nee, das ist ja nur für Alte. Auch bei der Mode hörte er nicht auf die Verkäuferinnen. Als eine meinte, „diese Farbe ist für ihr Alter passend“, meinte er: „Bringen Sie mir bitte modernere“.

Autos und Schuhe

Was nicht typisch schwäbisch ist, ist dass sein erstes Auto kein Benz war. Aber er hatte eine große Leidenschaft für Autos. So fuhr er einen gelben Manta, einen Toyota Supra, einen Four Runner….die oberste Regel dabei: Die Autos durften innen nicht schmutzig werden. Also durfte während der Fahrt weder getrunken oder gegessen werden. Und die Kinder mussten sogar die Schuhe ausziehen.

Donald Duck und Daniel Düsentrieb

Aufgrund seiner Vorliebe für Donald Duck Comics wurde er auch Donald genannt. Aber bei seinem Erfindungsreichtum könnte man ihn eher Daniel Düsentrieb nennen. So hat er mal einen Tresor gekauft, aber irgendwie ging der dann nicht mehr auf, als dringend ein Dokument daraus gebraucht wurde. Statt einen Profi zu rufen, hat er den Tresor an der Rückwand ausgehebelt. Jeder andere hätte den Tresor danach weggeworfen. Nicht aber Wolfgang Gentner – er hat eine Pappwand eingebaut und dann die Dokumente reingelegt und wieder brav abgeschlossen. Und der Hybrid-Tresor aus Pappe und Stahl steht bis heute in seinem Haus.

Glaube

Seit Christians Tod vor zehn Jahren, hat Wolfgang wieder stärker zum Glauben gefunden. Der Gedanke, dass es einen Gott gibt, ein Leben nach dem Tod, hat ihn getröstet. Daher war es auch sehr schön, dass er in den vergangenen Tagen mehrmals von Pfarrer Reiner besucht wurde und die Krankensalbung erhalten hat. Wir haben gesehen, wie während der Krankensalbung und den Gebeten eine Erleichterung über sein Gesicht gehuscht ist. Das Vertrauen in Gott hat Wolfgang den Abschied leichter gemacht.

Falls Sie sich wundern, warum Pfarrer Reiner derzeit mit einer Beule auf dem Kopf herumläuft – das ist auch ein Zeichen von Wolfgang Gentner. Schon vor längerem war ihm aufgefallen, dass das Carportdach für große Leute zu niedrig ist und dass beim Übergang sich die Leute ihre Köpfe anstoßen könnten. Daher hatte er sich überlegt, wie er das mit einer seiner Tüfteleien ändern könnte. Leider ist er nicht dazu gekommen. Und so hatte Pfarrer Reiner eine heftige Begegnung mit der Carportkonstruktion gehabt.

Was Wolfgang sicherlich geholfen hat ist die Unterstützung, die seine Familie und er in den vergangenen Wochen erhalten haben: Von Nachbarn, Kollegen, Betreuern, Bekannten und Freunden. Er ist als glücklicher Mensch gestorben. Er hat gespürt, dass er geliebt und geschätzt wird.

Vielen Dank.

 

Patchwork: Meine Mutter, ich und Danielle auf dem Wohnzimmerteppich 1982.

Patchwork: Meine Mutter, ich und Danielle auf dem Wohnzimmerteppich 1982, fotografiert von meinem Vater.

2014: Haruyo, Heidi, Danielle

2014: Haruyo, Heidi, Danielle

Wieso mit dem Namen anreden, wenn es auch anders geht? Mein Vater nannte mich entweder Hase, Osterhase oder Hasenkind. Somit war meine Mutter die Hasenmutter und meine Halbschwester Danielle wurde wegen ihres schicken Dutts liebevoll Bebbale genannt. Als Kind hat ihr das nicht gefallen und sie schnitt sich ihre langen Haare ab. Wir haben uns T-Shirts mit unseren Kosenamen gebastelt und bei der Urnenbeisetzung getragen.

Wieso mit dem Namen anreden, wenn es auch anders geht? Mein Vater nannte mich entweder Hase, Osterhase oder Hasenkind. Somit war meine Mutter die Hasenmutter und meine Halbschwester Danielle wurde wegen ihres schicken Dutts liebevoll Bebbale genannt. Als Kind hat ihr das nicht gefallen und sie schnitt sich ihre langen Haare ab. Wir haben uns T-Shirts mit unseren Kosenamen gebastelt und bei der Urnenbeisetzung getragen.

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2 Kommentare auf "Erinnerung an Wolfgang Gentner"

  1. Daniela sagt:

    „Es heißt nicht sterben, lebt man in den Herzen der Menschen fort.“
    Samuel Smiles (1812-1904), engl. Biograph

    Liebe Grüße, das hast du ganz wunderbar gemacht –
    Danie

  2. Rahel Merks sagt:

    Liebe Familie Gentner, liebe Heide Gentner

    Die Anekdoten und Erlebnisse, die Lebensberichte sind nicht nur sehr schön und eindrücklich, sondern lassen einen sofort spüren, dass Wolfgang ein besonderer Mensch war.
    Alle diese gemeinsamen Erfahrungen und Momente mit ihm machen ihn so besonders und geben Euch Kraft ihn in Erinnerung zu behalten.

    Ihnen alles Gute und viel Kraft

    Herzliche Grüsse Rahel Merks

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