Woche 3: Heißhunger und Motivationskrise

 

Heidi hantelt – by Takashi Uchimura

Der Knopf ist noch dran – auch als ich ausatme. Das ist schon einmal ein Fortschritt. Leider bleibt es der einzige: Aus der Stoffhose, die ich vor einem Jahr auf einer Messe anhatte, quillen aus allen Richtungen Fettröllchen. Nach einem Blick in den Spiegel vermeide ich es, mich zu bücken – schließlich soll die Hose ganz bleiben. Fazit: Was mein Körper in einem Jahr an Speck angesetzt hat, lässt sich nicht innerhalb drei Monaten rückgängig machen. „Wie ungerecht“, motze ich vor mich hin und schlüpfe wieder in meine Jogginghose.

Der Vorteil hier: diese Hose ist immer bequem, wächst mit mir mit. Manchmal ist das auch ein leichter Nachteil: Während meiner Tag-und-Nacht-Magisterarbeitschreibphasen hatte ich ausschließlich Jogginghosen an. Mit dem Resultat, dass ich danach nicht mal die Reißverschlüsse meiner Jeans zu bekam. Aber, nach der Magisterarbeit hemmungslos shoppen – da gibt es Schlimmeres.

Heißhunger – Ups, vergessen zu essen

Offensichtlich habe ich derzeit keine ernsthaften Probleme in meinem Leben, denn dieser Hose-Presswurst-Moment stürzt mich in eine Krise: Saubere Ernährung, moderate Kohlenhydratzufuhr, fast nur gute Fette und vier Mal Sport in der Woche und trotzdem zeigen sich noch keine Bauchmuskeln? Frechheit! Ich habe keine Lust mehr und bin fixiert auf Maultaschen, Spätzle und cremige Lindor-Kugeln.

„Ah, ich hab ja seit Stunden nichts mehr gegessen“, fällt mir ein. So haue ich schnell gefrorene Himbeeren, Quark und Milch in den Mixer und stürze gierig den Drink herunter. Und tatsächlich: es geht mir besser. Notiz an mich: Rechtzeitiges Essen beugt Heißhunger und schlechter Laune vor.

 

Gefühlter Trainingsfortschritt

Joggen tut nicht weh, Tempo und Strecke werden langsam, aber stetig gesteigert. So verbessert sich auch die Kondition. Bei unserer wöchentlichen Joggingrunde um den Baunsberg haben mein Laufpartner Lorenz und ich uns zwar kurz verlaufen, sind aber trotzdem eine Minute früher angekommen.

Okay, dieses Mal war es noch hell und wir haben uns nicht aufgehalten, indem wir an unseren neuen Stirnlampen hektisch hantierten, weil sie zwischendurch ausgingen. Nichtsdestotrotz: Eine Minute ist eine Minute und für mich ein gefühlter Fortschritt.

 

Durch den Schmerz hindurchtrainieren? – Aua, das tut aber weh

Krafttraining hingegen tut weh. Meine Schmerztoleranz ist nicht besonders hoch und daher habe ich früher auch immer mit den Wiederholungen aufgehört, bevor es weh tat. Jetzt weiß ich, dass ich so nicht weiterkomme. Daher versuche ich das Gewicht beim Training so zu wählen, dass ich gerade noch so zwölf Wiederholungen schaffe. Und das bei drei bzw. vier Sätzen. Es klappt mäßig.

Immer wenn ich jemanden treffe, der schon länger oder sichtbar Krafttraining macht, frage ich: „Wie schaffst Du es, an die Schmerzgrenze zu gehen?“ Und die Antwort lautet bei fast allen: „Beißen. Irgendwann lernst Du es, durch den Schmerz hindurch zu trainieren.“ Mal sehen, wann bei mir irgendwann ist. Noch bin ich ja bei Woche drei der Fit-Wie-Herkules-Challenge.

 

Motivationskrise und keine Lösung

Es ist die dritte Woche meiner Challenge und ich stecke derzeit in einer latenten Krise, weil ich keine sichtbaren Fortschritte sehe. Ich habe auch noch keine Lösung gegen das Motivationstief.

Daher mache ich einfach weiter, bis ich wieder ein Motivationsschub bekomme. Bis dahin trainiere ich eben aus Vernunft. Denn wenn ich jetzt aufgebe, ist es erstens peinlich und ein Gesichtsverlust. Zweitens wachsen dadurch auch keine Muskeln. Sagte nicht auch Brecht: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.“ Vielleicht steckte in ihm auch ein Sportler.

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