Motivation: Los, Laufen macht glücklich – auch Gelegenheitsläufer

Manchmal mangelt es nicht nur an der Fitness, sondern in erster Linie an der Motivation. Den eignen Schweinehund überlisten, sich in die Sportklamotten werfen und los laufen. Jeder hat mal einen Durchhänger – ich auch. Aber Laufen macht glücklich – ehrlich!

Miss dich mit anderen – eine Art der Motivation

In Wettkämpfen sieht man wo man steht - hier beim Jenaer Frauenlauf. Motivation ist alles.
Jenaer Frauenlauf – 2018 ging die Veranstaltung in die 3. Runde. Ich war jedes Mal dabei und immer begeistert.

Da stand er nun im Kalender und rückte gnadenlos näher: Der Termin des 3. Frauenlaufs, für den ich mich schon im Februar angemeldet hatte. Nachdem ich im Mai beim Firmenlauf schon zeitlich versagt hatte, wollte ich im Herbst eigentlich richtig vorlegen für das kommende Jahr. Eigentlich.

Leider bin ich nicht der Läufer, der auch noch bei 38 Grad im Schatten noch seine Runden gefahrlos drehen kann. Weder Herz noch Kreislauf sind ausgesprochen hitzebeständig. Außerdem meinte der innere Schweinehund, er müsse die Oberhand behalten. Also lief über den Sommer nichts außer Radeln, Wandern und Schwimmen – natürlich alles in gemäßigter Form. So ganz ohne Bewegung geht es eben nicht.

Mit Job, Haushalt, Kids & Co. trainieren

Neben diesen ganzen Argumenten gegen den Sport (oder Ausreden – wie man will) schlägt auch immer wieder der Alltag erbarmungslos zu: Mal ehrlich – wie viel Zeit nehmt ihr euch für euch selbst, wenn das Patchworkmodell mit vier Kindern, die Männerbetreuung, Haus, Garten und der Vollzeitjob ganz oben auf der Agenda stehen? Ich ahne die Antwort. Das ist bei mir genauso. Immerhin sind zwei Trainingseinheiten Karate wöchentlich fester Bestandteil meines Lebens. Das liegt sicherlich auch daran, dass mein Mann auch Trainer ist und ich im Vorstand des Vereins. Schließlich muss Frau Vorbild sein.

Erfolgreich auch als Gelegenheisläufer - Trinken nicht vergessen.
Endlich im Ziel: Trotz deutlich weniger Training als in den anderen Jahren zufrieden mit dem Ergebnis.

Erfolgreich mit der richtigen Einstellung

Zurück zum Laufen. Ich hatte also gut zwei Monate gar kein Lauftraining absolviert, zwei Kilo mehr auf den Rippen und startete mit zirka 600 anderen Frauen und einem schlechten Gewissen in den knapp 5 Kilometer langen Frauenlauf. Schließlich winkte danach ein Glas Sekt und ein leckeres Buffett. Das motiviert doch, oder? Ich gab mein Bestes. Doch dieses Mal war es wirklich MEIN Bestes. Ich selbst hatte gar nicht das Ziel, als erster die Strecke zu absolvieren. Ich wollte gar nicht alle überholen. Es war mir egal, was die Zuschauer dachten – oder die Frauen neben mir. Ich lief nur für mich – ganz nach der Devise: durchhalten, die aktuelle Form ausreizen, ins Ziel kommen. Ich konnte gar nicht glauben, als mich mein Mann und Anfeuerer mit den Worten „Du warst gar nicht so schlecht – Mittelfeld würde ich sagen“, empfing. Ich? Mittelfeld? Tatsache: mit gut 32 Minuten hatte ich meine persönliche Bestzeit erreicht.

Sich selbst und den persönlichen Antrieb finden

Mittlerweile schaue ich nicht mehr auf andere, auf irgendwelche Trainingspläne oder quäle mich mit Zeiten, Paces oder neuen Trainingsstrecken. Sport muss Spaß machen. Man muss seine persönliche Intension finden. Meine ist: Laufen, um an der Luft zu sein, die Natur und die Umgebung zu beobachten. Den Kopf frei zu bekommen. Und: Weil ich es kann. Das musste ich erst einmal begreifen. Ich bin kein leistungsorientierter Läufer – klar, bin ich ehrgeizig – aber eben auf anderen Gebieten. Laufgruppen sind mir ein Grauen, ich möchte individuell entscheiden wozu ich wann Lust habe und mich beim Lauf auf mich konzentrieren. Mein Tempo, mein Atem, meine Gedanken. Ich kann auch nicht locker laufen und dabei reden. Da sterbe ich. Oder zumindest falle ich vor lauter Sauerstoffmangel um. All das habe ich endlich begriffen und akzeptiert. Falls sich die Intension ändert und ich häufiger trainieren will, oder Pläne mir Spaß machen, dann ändere ich das eben.

Zwischen Harz und Kyffhäuser liegt die Goldene Aue. Glücklich über das freie Wochenende nutzte ich die Zeit für einen kleinen Ausdauerlauf.
Heimat – meine liegt in Mitteldeutschland, direkt zwischen Harz und Kyffhäuser. Wohnt man dort, hat man die Augen nicht offen für die sanfte Hügellandschaft, die goldenen Felder, die kleinen Dörfer in der Ebene.

Warum nicht das Laufen, sondern die Natur in den Fokus stellen?

Ein Wochenende im Herbst verbrachte ich in meiner alten Heimat. Am Sonntag Vormittag bin ich dann eine Runde von 6 Kilometern gelaufen. Ich hatte fast vergessen, wie schön doch die Gegend ist. Kein Mensch ist mir begegnet, das war auch gut so. Ich habe tatsächlich den Lauf genossen, konnte Gedanken schweifen lassen, den Herbst riechen, die Stille der Natur hören. Herrlich. Ich konnte durchlaufen, ohne stehen zu bleiben oder zwischendurch zu gehen. Ohne Zwang, ohne Selbstgeißelung. Vielleicht liegt darin auch das Geheimnis der Motivation. Gut, vielleicht nicht DAS – aber MEINS auf jeden Fall.

Wenn ihr auch Gelegenheitsläufer und kurz vor dem Aufgeben seid – hier ein paar Tipps aus meiner Erfahrung:

  • Findet eure eigene Motivation: Warum laufe ich, was will ich erreichen?
  • Gebt nicht auf: Auch nach Monaten lohnt es sich, die Laufschuhe wieder zu schnüren – vielleicht entdeckt ihr ganz neue Seiten an euch.
  • Besser wenig als gar nichts: Auch 1 Kilometer macht euch fitter und ihr fühlt euch besser.
  • Der Lust nachgeben: Regelmäßig zu laufen ist super für die Fitness und Ausdauer. Aber ihr habt gerade heute keine Zeit oder Lust? Dafür war das Wetter gestern so toll, dass ihr am liebsten einfach losgelaufen wärt? Dann macht es einfach! Zögert nicht, wenn es die Umstände erlauben, auch mal die Mittagspause zu nutzen. Oder denn Sonntag in der Frühe, wenn alle anderen noch schlafen und ihr gerade aufgewacht seid. Wenn ihr den Drang nach Laufen verspürt – einfach machen. Dann seid ihr deutlich motivierter und das Workout macht Spaß – nicht zuletzt macht man Dinge häufiger, die Spaß machen. Trainingspläne kann man immer noch verfassen, wenn man sich die Ziele höher steckt.
  • Ganz wichtig: Lasst euch von anderen nicht vorschreiben, wie und wann man am besten läuft. Das können am Ende nur Tipps sein, macht bitte kein Dogma daraus. Denkt daran – dranbleiben ist alles.

Damit ihr beim Laufen oder auch danach besser Luft bekommt, haben meine beiden Töchter ein paar einfache Tipps für mehr Sauerstoff in den Lungen.

Der sympatische Jenaer Sport-Star Thomas Röhler. Motivation durch erfolgreiche Sportler - auch dahinter steht immer ein Mensch.
Speerwerfer Thomas Röhler aus Jena. Das Foto entstand beim Internationalen Speerwurf-Meeting auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld Jena im Sommer 2018.

Zur Person: Henriette und Charlotte trainieren regelmäßig recht erfolgreich Leichtathletik im ASV 1902 Sangerhausen. Eine gute Motivation liegt darin, sich Sportler im Wettkampf anzuschauen und zu erleben, dass hinter den Erfolgen auch nur Menschen stehen. Menschen, denen ihr Sport Spaß macht, die ehrgeizig sind und nicht aufgeben.

Hier ein Schnappschuss mit Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler.

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