Sportschule oder nicht?

Sportschulen für sportliche begabte Kinder

Sportlich begabte Kinder haben in Sachsen-Anhalt die Möglichkeit, ab Klassenstufe 5 eine der beiden Sportschulen in Halle oder Magdeburg zu besuchen.

Beide Schulen bieten den Sekundarschul- und Gymnasial-Zweig an. Für den Übertritt in eine der Schulen (Eliteschulen des Sports) sind sowohl gute schulische Leistungen als auch die sportlichen Fähigkeiten ausschlaggebend. So muss im Sportunterricht mindestens die Note gut, in allen anderen Fächern ein Befriedigend erreicht werden. Zudem muss eine entsprechende Schullaufbahnempfehlung und ein ärztliches Attest vorliegen. Nehmen Sportschüler an internationalen Wettkämpfen teil, ist sogar eine Streckung der Schulzeit um ein Jahr möglich. Deshalb gibt es auch das 13. Schuljahr.

Regional: Aufnahmeprüfung für Sportschulen in Sachsen-Anhalt

Speziell in der Leichtathletik schreibt der Leichtathletikverband Sachsen-Anhalt jedes Jahr einen zentralen Sichtungstermin aus. Her können begabte Kinder von Eltern oder Trainern ihres Vereins angemeldet werden. Aber auch Schüler, die bereits eine Sportschule besuchen, werden hier getestet, ob die gegenwärtige Leistung noch den Besuch der Eliteschule rechtfertigt.

Meine Tochter hat diesen Test bereits zum zweiten Mal absolviert. Sie wurde von ihrem Trainer nominiert und einigen Lehrern der Sportschule dazu ermutigt, sich daran zu beteiligen. Im Herbst 2017 war es dann das erste Mal soweit – wir reisten in Magdeburg an.

Sichtungstermin in Magdeburg – kuriose Sportarten

Die Kinder wurden altersmäßig in Riegen aufgeteilt und sollten nun das Testprogramm absolvieren. Wie groß wurden doch die Augen, als sie den Punkt Bodenübung auf dem Zeitplan entdeckten. Fragezeichen. Dann die Aufklärung: Jeder sollte 5 Elemente zeigen. Also Vorwärts- oder Rückwärtsrollen, Rad, Kopfstand oder eine Standwaage – der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Bei der Bewertung wurde allerdings die Sauberkeit der Techniken augenscheinlich höher bewertet, als der Schwierigkeitsgrad – also lieber einen Tick einfacher, aber dafür richtig. Zudem wurden noch diese Disziplinen getestet: 50 m-Sprint (30 m-fliegend); Dreierhop links/rechts; Weitsprung (10 m Anlauf); Kugelwurf (2,0/3,0 kg); 1.000 m-Lauf; Tapping (Skipping; 3,0 s); 10 m Mini-Hürde, körperliche Vermessung, psychologischer Test (wobei sich die Übungen von Jahr zu Jahr geringfügig ändern können).

Einige Disziplinen waren eher ungewöhnlich und verunsicherten die Kinder – wer kann schon aus einer festen Distanz Höhenflüge beim Weitsprung erreichen? Fliegender Start im Sprint? Unsere Kinder, die doch sehr auf Wettkampf und Optimierung aus sind, mussten hier improvisieren. Wahrscheinlich neben den eigentlichen Disziplinen auch eine Art Stresstest.

Würdest du dich für den Sport entscheiden, wenn deine Freunde ausgehen oder schlemmen?

Zum Fragebogen – dem psychologischen Test – ging meine Tochter beim ersten Mal ganz verunsichert, im nächsten Jahr recht abgebrüht. Sie wusste ja, was hier gefragt war. Ich muss schon sagen, solche Fragen, wie nach der Motivation zum Training zu gehen obwohl eine große Familienfeier ansteht, sind schon recht suggestiv. Andererseits sind für den sportlichen Erfolg ja große Opfer notwendig. Und es ist besser, das vorher zu klären als dann in ein tiefes Loch zu fallen, wenn man aus dem Traum aufwacht.

Melanie Schulz, Landestrainerin Leichtathletik, verriet mir, dass sich aus den Ergebnissen ein gewisses Potenzial zum Leistungssportler erkennen lässt. In Kombination mit der Beobachtung der einzelnen Anwärter lässt sich ein gutes Bild erstellen, was wiederum zu einer Entscheidung zur Aufnahme auf eine Sportschule oder eben nicht entscheidet.

Alles gut und schön – Potential und Talent hin oder her – im Endeffekt muss das Kind entscheiden wohin die Reise geht: ob es bereit ist, Freizeit und Familie für den Sport zu opfern. Denn das passiert zwangsläufig, wenn es sich für den Leistungssport entscheidet. Ist es tatsächlich DIE Passion, ist dieser Weg auf jeden Fall der einzig Richtige. Zweifelt man, sind Diskussionen und ggf. Ein Test im nächsten Jahr sicher die bessere Wahl.

Tapping: in einer bestimmten Zeit so oft wie möglich in einer vorgegebenen Zeit die Kontakte mit den Füßen treffen. Das ist nicht nur eine Frage der Schnelligkeit, sondern auch der Körperbeherrschung. Ich durfte mal testen – und hätte nicht mal ganz hinten in der Liste gestanden. Ein kleines bisschen stolz darf man doch sein 🙂

Hier noch ein Interview mit der Landestrainerin – was braucht ein erfolgreicher Leichtathlet?

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