Frauen und Kampfsport – passt das zusammen?

„Was für einen Sport machst du eigentlich?“ Da war sie wieder – die Frage der Fragen. Anfangs habe ich immer ganz stolz und offen mit „Karate“ geantwortet und häufig ein Naja, Aha oder Oh geerntet. Ist die Sportart etwa langweilig? Oder spreche ich vielleicht japanisch? Immerhin habe ich es mit der Antwort nicht einmal bis in die Kategorie Smalltalk geschafft. Dagegen ist das Wetter deutlich ergiebiger.

Bei der Antwort „Kampfsport“ gab es zumindest eine richtige Reaktion: „Oh, muss ich jetzt Angst haben?“ Nein, natürlich nicht. Ist die Kombination Kampfsport und Frauen so absurd, dass man sie sich so gar nicht vorstellen kann? Dabei hat gerade dieser Sport einige Vorteile für Frauen: Frau lernt, sich Männern gegenüber zu behaupten und sich zu verteidigen, Körperkontakt bekommt eine andere Dimension, Kraftsport, der Spaß macht, aufrechter Gang und weniger Rückenbeschwerden (gerade nach Schwangerschaften) und – nicht zuletzt – immer eine freie Toilette bei Veranstaltungen und Lehrgängen.

Sich nur nicht zu ernst nehmen – das hilft und reißt Barrieren ein. Sei es im Kopf oder den 1,90-m-Baum. Meistens jedenfalls.

Karate ist nicht gleich Karate

Erst vor kurzem hat mein Karateverein einen Lehrgang in Jena organisiert. Eigentlich trainieren wir Shotokan Karate – ein Stil, der sehr japanisch-militärisch geprägt ist und manchmal recht statisch anmutet. Allerdings schauen wir auch gern in andere Sportarten, um über den eigenen Tellerrand zu schauen und uns weiter zu entwickeln. Eingeladen war Dr. Olaf Krey, der offizielle Vertreter von Koryû Uchinâdi Deutschland. Koryû Uchinâdi – kurz KU – wurde aus dem okinawischen Karate entwickelt und bedient sich auch Elementen aus anderen Stilen und Kampfkünsten. Laut Krey eher „eine Sammlung von Prinzipien“. Im letzten Jahr war er bereits in Jena zu Gast, hier hat er mir ein paar Fragen beantwortet: Kann Karate den Charakter verändern und was es mit KU auf sich hat.

Hier findet ihr den ganzen Beitrag.

Respekt, Willensstärke, korrekte Techniken – und doch Spaß dabei

Wie erwartet, war auch bei diesem Lehrgang das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Teilnehmern so ausgewogen wie etwa auf einem Fußballfeld. Trotzdem herrschte eine sehr angenehme Trainingsatmosphäre: Respekt, Rücksicht und Hilfsbereitschaft prägten dieses Wochenende. Genug der Schwärmerei… Natürlich ging es darum, Wissen mitzunehmen, Techniken anders zu betrachten, eine Kata unter anderen Gesichtspunkten zu laufen.

Denn im Gegensatz zu Shotokan-Katas sind KU-Katas sehr anwendungsnah. Die Kata folgt also dem Bunkai, nicht umgekehrt. Wenn bei Shotokan-Formen erst die passende Anwendung dazu entwickelt und interpretiert werden muss, steckt sie beim KU bereits in der Form selbst. Eine spannende Betrachtung. Das soll keine Wertung sein – beides hat seinen Sinn und Berechtigung – aber solch ein Rückwärtsdenken ändert den Blickwinkel und schärft den Geist. Ganz besonders, wenn schon das Aufwärmtraining Zweifel an der eigenen Fitness bestehen lässt. Fast eine Stunde die Muskeln anstrengen, den Körper zum Schwitzen bringen – eine Herausforderung für alle Teilnehmer. Gefühlte 150 Liegestütze, diverse Kraftübungen und für jeden fast 20 Minuten Bodenkampf später begannen dann jeweils die Trainingseinheiten.

Bodenkampf im Karate? Na klar!

Warum das wichtig ist, was Bodenkampf mit Ehrlichkeit zu tun hat und warum mentale Härte für den Ernstfall wichtig ist, hat mir Olaf Krey im Kurzinterview erklärt. Nicht wundern, ich (die rechts im Bild) sehe geschafft aus – frischer war nach drei Trainingseinheiten einfach nicht drin. Denn natürlich hält man als Gastgeber (und besonders noch als Frau) bis zum bitteren Ende durch!

Außerdem habe ich mit ihm darüber gesprochen, warum es alle weiterbringt, das eigene Ego beim Training zurückzustellen und ob es besondere Trainingsmethoden für Frauen im KU gibt. Von den 10 Frauen mit Dan-Graduierung im KU in Deutschland waren auch einige in Jena – zwei davon konnte ich für ein kurzes Interview gewinnen. Die beiden berichten, warum Körperkontakt zum Sport gehört – weder lästig noch sexistisch und warum Kampfsport für Frauen so toll ist.

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