Angriffe vermeiden und abwehren: So bist Du kein Opfer – Interview mit Militär-und Polizei-Trainer

Größe, Aussehen und Geschlecht sind nicht relevant. Dafür jedoch Ort und Uhrzeit: Im Fit-wie-Herkules-Interview spricht Cornelia Lässing mit Dr. Ken Oesterreich über Gewalt im Alltag. Er unterstützt und trainiert Polizei, Rettungskräfte und Militär, wie sie kritische Situationen optimal lösen können. Einmal die richtige Übung gelernt, bringt sie mehr als Selbstverteidigung irgendwie zu trainieren.

Wie viel muss ich trainieren, um immer sicher zu sein? Das fragen sich viele Menschen, die mit einer Kampfsportart beginnen. Hier muss ich klar sagen: Kampfsport und Selbstverteidigung sind nicht das Gleiche. Auch kommt es nicht auf die Trainingszeit an, sondern um die richtigen Übungen.

Auch Straßenschläger haben ihre Angriffe strukturiert gelernt

Das bestätigte mir auch Ken bei unserem Interview. Er macht auch die Erfahrung, dass viele Kampfsportlerinnen und Kampfsportler überlegen, wie sie noch effektiver trainieren können, um im Alltag gegen Gewalt gewappnet zu sein. Ken schlägt vor, hier anders zu denken und sich folgendes zu fragen: „Was kann ich weglassen?“ Anstatt: „Was kann ich zusätzlich trainieren?“

Wenn es zu einem Angriff auf der Straße kommt, geht es um Schadensbegrenzung. Das bedeutet, jede und jeder sollte versuchen, so schnell aus der Situation rauszukommen. Ein Straßenkampf ist kein kein Ziel. Es gehe darum, wie man eine Person abwehre, bestätigt Ken.

Wer wird eigentlich angegriffen? Haben nette Menschen weniger Ärger?

„Menschen, die im stabilen Umfeld sind – die, die sich nützlich machen und sozial engagieren, haben weniger Ärger. Jemand, der seine Finanzen im Griff hat, kommt weniger mit zwielichtigen Gestalten in Kontakt“. Der traditionelle Kampfsport fördert soziales Verhalten und wirkt daher auch vorbeugend. Wir trainieren im Verein beispielsweise auch Kindergruppen in Karate und zeigen ihnen, wie sie ihre Grenzen wahrnehmen und kommunizieren können. Auch Erwachsene Karate-Ka lernen im Training, auf sich und ihre Gefühle zu achten. Denn je mehr wir unsere Emotionen kennen und mit ihnen umgehen können, desto weniger kommt es generell zu Konflikten. Auch nicht gewalttägige Konflikte zu vermeiden, erleichtert den Alltag ungemein. „Ich prügle mich nicht auf der Straße. Ich habe keine Zeit dafür.“, mein Ken.

Dr. Ken Oesterreichs Job ist es, Polizei, Rettungskräften und Militär zu zeigen, wie sie aus brenzligen Situationen kommen. Dabei zeigt er einfache, effektive und schnelle Techniken. Obwohl er selbst sich vermutlich aus jeder solchen Situation raushauen könnte, vermeidet er so etwas.

Vorbeugung ist der Schlüssel: Orte und Zeiten mit Gewaltpotenzial vermeiden

Er reflektiert: „Wann gibt es Ärger, mit wem gibt es Ärger, wo gibt es Ärger?“ Ken versucht, aktiv solche Orte und Situationen zu vermeiden. Falls es zu einen Konflikt zu kommen droht, geht er weiter. Auch proaktiv nett sein helfe wie „bitte“ und „danke“ zu sagen (mehr dazu ab Minute 10 im Interview).
Auch meine Erfahrung ist: Manchmal gehören einfach Mut und Willenskraft dazu, Konflikte zu vermeiden. Denn wenn jemand mich anrempelt oder mit die Vorfahrt nimmt, bin ich auch geneigt kurz aufzuschreien oder mit den Augen zu rollen. Durch Karate und Achtsamkeitstraining habe ich gelernt, wie ich negative Energie einfach an mir vorbei leite.

Denn:

  1. Hört der andere nicht, wenn ich aus dem Auto aus anschreie.
  2. Bleibt der Ärger länger bei mir, wenn ich mich aufrege
  3. Hat jeder mal einen schlechten Tag – warum sollte ich mich da reinziehen lassen..

Was tun gegen Angst? Angst vs Furcht

Angst lähmt und ist subjektiv. Ken rät dazu, Angst zu relativieren und der Angst vorzubeugen. Beispielsweise mit Sport: „Es ist wichtig, sich die Angst einzugestehen. Und hier hilft auch jegliche Form von Aktivitäten und Sport, da dies die Selbstsicherheit fördert.“ Zudem sei es wichtig, sich nicht von schlechten Nachrichten verunsichern zu lassen. Frage dich: „Wann habe ich das letzte Mal wirklich Ärger gehabt?“ Da werden viele feststellen, dass sie gar nicht so gefährdert sind, wie sie vielleicht denken.

Selbstverteidigung = Gewaltprozesse verstehen und einschätzen

Wie entsteht Gewalt? Ken rät, nicht danach im Internet zu recherchieren oder sich durch nur durch Medien aufklären zu lassen. Auch nur im Kampfsport nachzufragen, sei oft falsch. Er plädiert dafür, sich mit Experten zu unterhalten – mit Rettungskräften, mit der Polizei. Einfach mal nachfragen, wie es zu gewalttätigen Eskalationen kommt.

Sich selbst zu kennen und andere zu beobachten bringt mehr, als zu wissen, wo man hinschlagen soll

Für die Menschen sei auch wichtig, sich selbst zu kennen. Zu wissen, wie sie selbst auf Stress reagieren. Es sei auch wichtig, bei anderen zu erkennen, wann diese überfordert seien. Denn das führe meist zu Konflikten.

Was tun gegen Verteidigungsblockade?

Im Karate-Training führen wir oft Partner-Übungen und kleine Trainingskämpfe durch. Dennoch hätte ich persönlich eine Blockade, wenn ich jemanden ernsthaft schlagen sollte: Genau das haben wir im Training auch schon getestet: Unser Trainer trug einen Kopfschutz und ermunterte uns, einfach mal zuzuschlagen. Die meisten waren dazu nicht oder kaum in der Lage. Darauf habe ich auch Ken angesprochen. Er rät dazu, die Trefferzone knieabwärts zu wählen und zum Beispiel das Schienbein zu treffen. Mehr Selbstverteidigungstipp gibt’s ab Minute 14 im Interview.

Gewalt gegen Männer ist unbekannter

Wir haben auch über Gewalt gegen Männer und Frauen und eventuelle Unterschiede gesprochen. Bei Gewalt gegen Frauen handelt sich es häufig um häusliche Gewalt. Gewalt gegenüber Männer dagegen wird oft nicht kommuniziert. Auch weil Männer selbst nicht so gern darüber reden wollen.

Interessieren dich einfache Selbstverteidigungstechniken für denn Alltag? Dann schreib in die Kommentare!

Übersicht des Interviews

  • 00:00 Intro
  • 00:40 Männer oder Frauen? Wer wird öfter angegriffen?
  • 01:34 Klischee Frauen werden überfallen – Männer suchen sich den Streit
  • 02:50 Wie viel Übung brauchen wir, um uns in Notfall verteidigen zu können?
  • 04:25 Die Techniken der Straßenschläger
  • 05:23 Kampftechniken vs Kampfsport
  • 06:14 Menschen, die sich engagieren haben weniger Ärger
  • 07:00 Wo und wann gibt es Ärger? 08:00 Gibt es mehr Gewalt? Beispiel Mann erschossen, weil er auf Maskenpflicht hingewiesen hat
  • 10:30 Erster Schritt zur Selbstverteidung: verstehen, wie Gewalt ensteht

3 Tipps zur Gefahrenabwehr bei Überraschungsangriffen

  1. Immer Kopf schützen
  2. Leicht in die Knie gehen und den Po zum Angreifer drehen
  3. Treten: Stampftritt in Richtung Knie bzw. darunter

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Mehr über Dr. Ken Österreich

Er ist offizieller europäischer Repräsentant des weltweit größten Trainernetzwerks Todd Group für polizeiliche und militärische Zugriffslösungen mit regelmäßigen Arbeitsaufenthalten

Dr. Ken Österreichs offizielle Seite: https://www.samtacs.com/team.htm

Über mich

Das bin ich. Überzeugter Karate-ka.

Mein Karate-Verein in Jena ist der Shotokan Dojo Jena e.V. Ich bin Conny (Cornelia Lässing) und trainiere seit 2013 Shotokan Karate. Mich interessieren alle Kampfsportarten, da sie nicht nur in der Trainingshalle wirken, sondern im Alltag. Ich bin überzeugt, dass Karate nicht nur eine Sportart, sondern eine Lebenseinstellung ist, die sich auch ins Privat- und Berufsleben überträgt. Seit ich für den 2. Kyu trainiere merke ich, wie wichtig die mentale Kraft und Konzentration auf’s Wesentliche im Training ist. Habt ihr Fragen? Dann schreibt es in die Kommentare oder schreibt mir eine E-Mail: conny@fitwieherkules.de

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